Kontinuierliche Veränderungen

Wie ihr ja sicherlich alle bemerkt habt, hat sich einiges verändert in den letzten Jahren.



Für manche sind die Veränderungen zu viel und zu schnell, für manche sind sie genau richtig, für andere wiederum zu langsam, und manchem gefallen sie auch gar nicht. Das ist nicht weiter verwunderlich, haben wir doch alle unsere eigenen Geschichten, Prägungen, Erfahrungen, Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse. Bei all den Veränderungen – gibt es da überhaupt ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Weg, den man miteinander gehen kann?

Wir meinen: Ja, das, bzw. den gibt es!

Viele von euch haben uns schon versichert, dass sie sehr dankbar sind für die Freiheit, in die sie gekommen sind. Doch stellt sich bei manchen auch die Sorge ein, wir könnten in eine zu große Freiheit gehen, bzw. nichts könnte mehr von unserem Christsein übrig bleiben. Jeder scheint eine individuelle Grenze zu haben, bei der Schluss ist. Und das ist völlig okay. Die Frage ist, ob man überhaupt gemeinsam weitergehen kann, wenn die persönliche Grenze erreicht ist, oder ob das schlichtweg unmöglich ist?

So war für einige der gemeinsame Weg zu Ende, als ich darüber sprach, dass Homosexualität keineswegs ein Gräuel für Gott ist. Oder dass unser heutiges Konzept von Ehe nicht mal biblisch ist und ein biblisches Ehe-Konzept aber auch gar nicht erstrebenswert ist (z. B. dass die Väter darüber entscheiden, wen seine Töchter heiraten dürfen). Für andere war der Weg zu Ende, als ich darüber sprach, dass es keine Hölle gibt und was es wirklich bedeutet, wenn Gott bedingungslose Liebe ist (was zu der Frage führte, warum Jesus denn für uns ans Kreuz musste. Musste er für uns bezahlen, musste er uns erlösen, weil wir sonst für immer verloren gewesen wären?) Für manche war das zu „inklusiv“, zu humanistisch. Es ist verständlich, dass man vorsichtig ist, wenn man Angst vor einer Hölle hat, in die man kommen könnte, falls man einen verkehrten Weg eingeschlagen hätte. Wer Angst vor einer Hölle hat, hat letztendlich auch Angst vor Gott und vor Neuem, gerade, wenn das Neue radikal anders ist. Wer aber keine Angst hat vor einer Hölle und immer mehr verinnerlicht, dass Gott bedingungslose Liebe ist, der muss auch keine Angst haben vor Neuem, vor (offenen oder unbequemen) Fragen oder einem vermeintlich „verkehrten“ Weg.

Wir denken, dass es aufgrund unserer Prägungen und unbewussten Vorurteile (die wir alle mehr oder weniger haben) ohnehin sehr schwer ist, abschätzen zu können, welche Entscheidung und welcher Weg überhaupt falsch oder richtig war. So oft bleibt man in unguten Situationen aus Angst, man könnte etwas Falsches tun oder es könnte noch schlimmer werden. Und das könnte ja auch tatsächlich der Fall sein. Das Problem ist, so etwas weiß man immer erst im Nachhinein. Oder eigentlich noch nicht mal dann. Verändert man eine Situation und es geht vielleicht nicht so gut aus, könnte die Schlussfolgerung sein: „Ich habe die falsche Entscheidung getroffen.“ Doch woher weißt du das? Du kannst nicht wissen, was passiert wäre, wenn du in der Situation geblieben wärst. Mein Punkt ist: Unser Leben kann hunderte von verschiedenen Wegen nehmen, die wiederum an hunderte von verschiedenen Abzweigungen führen, usw. Die Frage, „Hätte ich damals nur anders entschieden…“, ist somit eine, mit der wir uns völlig unnötig quälen. Uns bleibt also nichts, als Dinge abzuwiegen und letztlich aber auf unser Bauchgefühl, unseren Eindruck, auf unsere Intuition zu hören und den für uns (in dem Moment) „richtigen“ Weg zu gehen. Zu wissen, dass am Ende kein Abgrund wartet, sondern immer eine Fülle von verschiedenen Möglichkeiten, sollte uns dankbar und furchtlos machen. Gott begleitet uns ohnehin auf all unseren Wegen. Wir sind untrennbar von ihm (erinnert euch… „in ihm leben, weben und sind wir“). Wir dürfen doch vertrauen, dass jeder Weg uns auch formt und weiterbringt. Und wir können jederzeit Korrekturen vornehmen. Wir dürfen doch die Frucht in unserem Leben betrachten und überlegen, ob wir es mit einer guten oder faulen Frucht zu tun haben (nur bitte nicht Frucht mit Umständen verwechseln!). Die Frage, die wir uns immer wieder stellen dürfen, lautet: Bin ich liebevoller, offener, gnädiger, großzügiger usw. geworden? Habe ich mehr Frieden, mehr Ruhe, Gelassenheit, Vertrauen, Freude usw.? Ist mein Denken offener, mein Horizont weiter geworden?

Wir sind alle eins. Das ist eine Tatsache. Wir sind mehr miteinander verbunden, als uns bewusst (oder manchmal lieb) ist. Das bedeutet aber nicht, dass wir alle gleich denken und fühlen. Doch unser Leben, unser Geist ist mit dem Schöpfer und allem Geschaffenen eins, daran ändert auch unser unterschiedliches Denken und Wahrnehmen nichts. Und daher können wir auch miteinander weitergehen, trotz unterschiedlicher Grenzen. Unsere individuellen Lebenswege mögen unterschiedliche Grenzen und Richtungen haben, doch unser gemeinsamer „spiritueller“ Weg kann trotzdem ein gemeinsames Ziel haben:

Was ist der kleinste, gemeinsame Nenner, auf den wir uns ausrichten können? Wonach sehnen sich alle Menschen? Was ist das eine, was die Kraft hat, alles zu verändern, Frieden und Versöhnung zu schaffen, die schlimmsten Verletzungen zu heilen, die Finsternis zu erhellen, den Himmel auf Erden zu schaffen? Ist es nicht die Liebe? Ist es nicht die Liebe, um die sich alles dreht, worum es geht? Ist nicht die Liebe die Grundlage allen Seins, der Grund, weshalb es uns gibt, der Grund, weshalb wir leben wollen? Ist Gott nicht in seiner ganzen Essenz…. LIEBE?

Unser gemeinsames Ziel, unsere gemeinsame Richtung ist, unserer Meinung nach, dazu beizutragen, dass wir als Menschheit irgendwann einmal diese universelle Liebe leben („universelles Schalom“ – wie Marc Arlt das in seinem letzten Blog ausdrückte). Auch Jesus ging es nicht darum, dass man ihn anbetete und diente, es ging ihm um das Königreich Gottes auf Erden. Und dieses Königreich ist Liebe (Frieden, Freude, Gerechtigkeit… usw. Alles letztlich Früchte der Liebe). Unser Ziel ist also, dass wir einander lieben und annehmen können, trotz unterschiedlicher Ansichten und Lebenswege. Dass wir diskutieren, austauschen, voneinander lernen und einander stehen lassen können, ohne dass wir uns trennen und verurteilen müssen. Jeder hat seine Geschichte und seinen Weg, jeder macht seine wertvollen und seine schmerzvollen Erfahrungen, an denen wir einander teilhaben lassen können. Wird die Liebe nicht genau da, wo wir unterschiedlich denken, besonders sichtbar und erfahrbar und für andere Menschen anziehend? Jesus sagte, es ist leicht, die zu lieben, die einen auch lieben. Es ist nicht so leicht, den Rest zu lieben. Mit anderen Worten heißt das aber, dass Liebe eben dort am stärksten zu Tage tritt, wo ich Menschen liebe, „die mir Mühe machen“. Und wir sind überzeugt, genau das braucht die Welt, genau das brauchen wir alle. Dass wir jeden da, wo er steht, so, wie er ist, annehmen und lieben anstatt ihn zu verlassen, weil wir mit den Schlussfolgerungen nicht einverstanden sind, zu denen er gekommen ist.

Das wünschen wir uns für uns alle. Dass wir uns auf diesen gemeinsamen Nenner einigen und ausrichten können – denn wenn sich alles um die Liebe dreht und nur noch die Liebe auf Erden herrschen soll, haben wir sowieso noch genug Arbeit vor uns! 😉

In Liebe, Pierre und Davina

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